Neue Spielregeln in der Altersvorsorge

Dass die gesetzliche Rente nicht genügt den Lebensstandard zu halten, ist vielen Deutschen inzwischen bewusst, aber nicht wie sie am besten zusätzlich vorsorgen können. Für Verwirrung sorgen auch die Änderungen der Spielregeln für die private Rente: bessere Förderung, neue Produkte und Veränderungen in den Steuergesetzen. Die wichtigsten Antworten auf Fragen zur privaten Altersvorsorge erhalten Sie hier.

Für wen lohnt sich Riester?

Als das Fördermodell für die private Altersvorsorge 2002 startete, galten Riester-Verträge als Sparanlage für Familien mit Kindern und geringem Einkommen. Grund hierfür sind die Zulagen, die der Staat auf die Sparleistung draufpackt. Ab 2008 gibt es noch mehr Geld vom Staat. Denn dann wird die Grundzulage auf 154 Euro erhöht, und die Kinderzulage auf 185 Euro. Steuerlich kann man dann sogar 2.100 Euro geltend machen – für die volle Förderung müssen dann vier Prozent des Vorjahreseinkommens investiert werden. So kann ein Haushalt mit zwei Kindern und einem Alleinverdiener 678 Euro pro Jahr aus der Staatskasse in die private Altersvorsorge stecken.

Ungeachtet der Kinderzulagen ist Riester aber nicht nur für Familien. Sondern auch gut verdienende, rentenversicherungspflichtige Singles profitieren von den Steuervorteilen bei den Beiträgen. Bei einem Bruttoeinkommen von 52.500 Euro kann der Alleinstehende bis 2100 Euro Eigenbeitrag pro Jahr als Sonderausgabe von der Steuer absetzen. Das Finanzamt schreibt dafür 761 Euro gut, was einer Förderquote von 43,6 Prozent gemessen am Jahresbeitrag von 2100 Euro entspricht (Eigenbeitrag plus Zulage).

Für Sparer mit gehobenem Einkommen lohnt sich Riester nur dann, wenn sie nicht mehr als 2100 Euro pro Jahr zusätzlich anlegen wollen. Wer mehr investieren möchte, ist mit der Basisrente, die höhere Freibeträge zulässt, oft besser bedient.

Für wen lohnt sich Rürup?

Gutverdienende Angestellte als Ergänzung zur staatlichen Rente oder Freiberufler und Selbstständige, die in keine Gemeinschaftskasse einzahlen und so ihre kompletten Beiträge absetzen können, vorzugsweise rentennahe Jahrgänge profitieren von diesem Modell. Bei einem Gutverdiener kann das bis zu 5000 Euro Steuerersparnis pro Jahr ausmachen.

Der Staat gewährt den Bonus nur gegen klare Auflagen: Es gibt keine Einmalauszahlung, die monatliche Rente darf erst nach dem 60. Geburtstag fließen, die Ansprüche sind grundsätzlich nicht vererbbar, dürfen nicht übertragen, beliehen oder kapitalisiert werden. Jedoch: Sie sind Hartz IV-sicher und insolvenzgeschützt.

Wer einen Vertrag abschließt, vertraut dem Unternehmen für Jahrzehnte sein Geld an. Daher sollte man sich nicht auf Erfolgsrechnungen einzelner Jahre verlassen. Vorsicht ist auch an anderer Stelle geboten: Bei der Kombination einer Rürup- mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Vorteil: Die BU-Beiträge lassen sich so steuerlich im Rürup-Paket absetzen. Nachteil: Muss der Versicherungskunde die BU-Rente in Anspruch nehmen, muss er sie dann auch wie eine Rürup-Rente versteuern. Also gilt: Will er 1000 Euro ausgezahlt bekommen, muss er 1000 Euro plus Steuern versichern. Das wird teurer als bei einer klassischen BU-Police.

Und wann rechnet sich die Privatrente?

Wer flexibel sein will, entscheidet sich für eine Privatrente. "Über die Jahre sammeln sich bei der Altersvorsorge hohe Beiträge an. Wer sie in eine private fondsgebundene Rentenpolice investiert, hat mehrere Vorteile: Er kann individuell nach seiner Lebenssituation, seinem Alter und seiner Risikofreude entscheiden, mit welcher Quote für Aktien, Anleihen oder Immobilien seine Police bestückt werden soll. Wer das lieber den Fondsstrategen überlassen will: Gute Anbieter zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Aktienquote je nach Börsenlage von 0 bis 100 Prozent variieren können." Der entscheidende Vorteil ist nach Meinung von Jürgen Börner, Versicherungsmakler aus Wermelskirchen: „Anders als bei Rürup kann der Kunde sein Kapital flexibler aufstellen, außerdem beleihen und vererben.“ Für eine fondsgebundene im Unterschied zu einer klassischen Privatrente auf Lebensversicherungsbasis spricht für ihn nicht nur die im Schnitt bessere Rendite der Fonds, sondern auch, dass der Kunde sie in zunehmendem Alter immer risikoärmer umschichten kann. Und die Fonds seien weniger politischem Einfluss ausgesetzt.

Wer bietet die meiste Rendite zu welchem Preis?

Fondsgebundene Anlageprodukte, aber sie haben auch ein höheres Risiko.

Kann ich die Auszahlung auf das 67. Lebensjahr verschieben, um sie an die Auszahlung der staatlichen Rente anzupassen?

Für Riester- und Rürup-Policen ist das laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in der Regel kein Problem. Bei der Lebensversicherung ist politisch noch nicht geklärt, ob es sich dann nicht möglicherweise um einen Neuabschluss handeln könnte – wodurch die steuerfreie Auszahlung von Altverträgen, die bis 2004 abgeschlossen wurden, entfallen würde.

Aktienkurse und Festgeldzinsen steigen wieder. Also auch die Rendite meiner Lebens- und Rentenversicherung?

Bestenfalls steigt die Rendite der Rentenversicherung auf ganz lange Sicht. Denn die Unternehmen lassen sich viel Zeit damit, die erwirtschafteten Gewinne an die Kunden durchzureichen. Stille Reserven sind vielen wichtiger.

Wie wird meine private Rente im Alter besteuert? Trifft mich die Abgeltungsteuer?

Bei Sparanlagen kassiert das Finanzamt gleich doppelt, bei den Beiträgen (vorgelagert) und bei den späteren Renten (nachgelagert). Wie viel der Fiskus an welcher Stelle einbehält, das hängt vom jeweiligen Produkt ab. Die von 2009 an gültige Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätsbeitrag und Kirchensteuer betrifft konventionelle Bank- und Fondssparpläne.

Muss ich im Alter Krankenversicherungsbeiträge auf die private Rente zahlen?

Wenn Sie privat krankenversichert sind richtet sich Ihr Beitrag ausschließlich nach Ihrem zum Vertragsabschluss festgestellten Gesundheitszustand und der Preisentwicklung Ihres Tarifs.

Waren Sie in der Gesetzlichen Krankenkasse bis zum Eintritt ins Rentnerleben pflichtversichert, müssen Sie auf alle Renten, an denen der Arbeitgeber in irgendeiner Form beteiligt war – sei es durch seine Einzahlungen in die staatliche Rentenkasse oder eine bezuschusste Betriebsrente – Krankenkassenbeiträge zahlen. "Wer über den Arbeitgeber eine geförderte Riester-Rente abschließt, muss dafür auf » die späteren Auszahlungen auch den Kassenbeitrag zahlen. Hätte er die Rente privat übernommen, wäre der Beitrag nicht fällig." So Joachim Odenbach vom Bundesverband der Innungskrankenkassen.

Wer bis zum Arbeitsende freiwillig gesetzlich versichert war, muss auf sämtliche Renten, die ihm zufließen, Kassenbeiträge zahlen.

Ich möchte die höheren Renditechancen der Fondsanlage nutzen. Was macht mehr Sinn, mit oder ohne Riester?

Die staatlichen Zulagen und die Steuervorteile sprechen für die Riester-Fondssparpläne. Allerdings ist von Nachteil, dass die Anleger bei Riester-Depots häufig keinen Einfluss auf die Fondsauswahl haben. Oft gehören die zur Verfügung stehenden Portfolios nicht zu den renditestärksten Produkten. Außerdem können die geförderten Fondsprodukte nicht zu 100 Prozent in renditestarke Aktienfonds investieren, weil sie bei Vertragsablauf die eingezahlten Beiträge garantieren müssen. Wegen der dürftigen Produktauswahl machen riesterfähige Fondssparpläne nur für Anleger Sinn, die die Zulagen und Steuervorteile voll ausnutzen können.

Was erhalten meine Erben von der Privatrente?

Bei nicht geförderten Bank- und Fondssparplänen geht das angesparte Kapital direkt in die Erbmasse. Hatte der Verstorbene eine private Rentenversicherung ohne zusätzlichen Hinterbliebenenschutz abgeschlossen, gehen die Erben leer aus. Auch bei Rürup-Renten gibt es den Hinterbliebenenschutz nur gegen eine Extraprämie. Bei Riester-Verträgen mit Bankspar- oder Fondssparplan ist das Kapital vererbbar –allerdings sind Zulagen und Steuervorteile abzuziehen. Schlechter weg kommen die Erben bei der klassischen Riester-Police, denn sobald der Versicherte stirbt, gehen die Prämien nebst Zinsen in den allgemeinen Riester-Topf der Versicherung zurück. Die Riester-Sparer können eine Rentengarantiezeit vereinbaren, damit die Erben nicht ganz leer ausgehen. In diesem Fall zahlt unabhängig davon, ob der Versicherte noch lebt oder nicht, die Versicherung für eine bestimmte Anzahl von Jahren Riester-Rente.

Was wird aus meiner Vorsorge, wenn ich arbeitslos werde oder in Not gerate? Wie komme ich an mein Geld?

Wer Hartz IV bezieht, darf nur noch 200 Euro pro Lebensjahr auf der hohen Kante haben, der Rest wird angerechnet. Allerdings sind Riester- und Rürup-Verträge geschützt. Sparer, die ihren Beitrag zeitweise nicht leisten können, sollten den Vertrag nur vorübergehend beitragsfrei stellen lassen. Bei einer Kündigung müssten Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden. Zu Rentenbeginn können von Riester- und Rürup-Sparern bis zu 30 Prozent des angesparten Kapitals auf einmal entnommen werden.

Was passiert mit den Auszahlungen, wenn ich im Alter ins Ausland übersiedeln will?

Wer auf eine lebenslange Rente spart, sollte über einen Wohnsitzwechsel in den Süden genau nachdenken: Altersvorsorge, die sich in Deutschland dank des Bonus vom Finanzamt rechnet, kann sich am Mittelmeer zur Steuerfalle verwandeln. Das gilt besonders für ältere Auswanderer, die auf Riester- oder Rürup-Verträge setzen.

Wie sicher kann ich sein, dass mir später in Zeiten leerer Rentenkassen nicht meine staatliche Rente beschnitten wird mit der Begründung, ich hätte zusätzlich ja noch eine gute private Rente?

Wiederholt hat das Verfassungsgericht anerkannt, dass staatliche Leistungen aufgrund eigener Beiträge unter den Schutz von Artikel 14 im Grundgesetz fallen, dem Recht am Eigentum. Das Rentensystem beruht ausschließlich auf den geleisteten Einzahlungen. Die Frage der Bedürftigkeit spielt keine Rolle und dürfte sie demnach auch nicht bei der Auszahlung spielen. Dennoch werden Umgestaltungen und Differenzierungen von Richtern zugelassen, soweit sie erforderlich und verhältnismäßig sind.