Gesundheit ist das höchste Gut – und zugleich das teuerste. Doch Geld wird immer knapper. Die neuen Milliardenlöcher bei den Kassen lassen sich mit Beitragserhöhungen nicht mehr stopfen. Künftig werden wohl neben Leistungskürzungen auch Steuern das System aufpolstern helfen. Gibt es optimale Versorgung bald nur noch gegen Cash? Privat krankenversichert sichern Sie sich erstklassige Leistungen zu einem geringen Beitrag. [Button zum Formular]
Fast eine Milliarde Euro Minus haben die gesetzlichen Krankenkassen im ersten Vierteljahr erwirtschaftet. Jürgen Wasem, Professor für Medizinmanagement an der Universität Duisburg ist sich sicher: „Vor allem die höheren Gehälter für Krankenhausärzte und die weiter steigenden Arzneimittelausgaben haben im ersten Quartal massive Zusatzkosten verursacht.“
Die Schuld für die Medikamentenkosten allein bei den Pharmakonzernen zu suchen, wäre jedoch verfehlt, erklärte Wasem in einem Interview FOCUS Online. „Die Politik hat den Markt durch Festbeträge und Rabattverträge derartig überreguliert, dass den forschenden Pharmakonzernen kaum eine andere Möglichkeit bleibt, als innovative Medikamente zu horrenden Preisen anzubieten.“ Das treibe natürlich die Kosten für die Kassen nach oben.
Beitragserhöhungen reichen nicht aus
„Statt ein ausgewogenes Zusammenspiel von marktwirtschaftlichen Elementen und staatlicher Überwachung zu schaffen, hat die Politik vor allem Chaos im Arzneimittelsektor geschaffen und damit die steigenden Ausgaben zumindest mit zu verantworten“, kritisiert der Wissenschaftler. Aber auch wenn es die Politik irgendwann schaffen sollte, dieses Chaos wieder zu beseitigen, ließen sich die Kosten des Gesundheitswesens langfristig wohl nicht mehr nur über Beiträge finanzieren. Wasem: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die gesetzliche Krankenversicherung – wie schon die Rente – über Steuergelder quersubventioniert wird.“
Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch der Bayreuther Gesundheitsökonom Peter Oberender. Obgleich durch die Einführung des Gesundheitsfonds schon im kommenden Jahr 1,4 Milliarden an Steuergeldern ins System gepumpt würden; mittelfristig soll diese Summe sogar auf 14 Milliarden Euro steigen. „Weder der Fonds noch die bevorstehenden Beitragsanpassungen werden allerdings genügen, um die weiter wachsenden Kosten abzufedern“, so Oberender zu FOCUS Online. „Wenn die Politik, was ich hoffe, den Leistungskatalog der Kassen beibehält, führt an der Einführung einer Gesundheitsteuer kaum noch ein Weg vorbei."
Doch die Bundesregierung stellt sich taub, der nächste Einschnitt ist längst beschlossen. Nach der Kosten-Nutzen-Bewertung sollen Krankenkassen demnächst nicht mehr das am besten wirkende Medikament bezahlen, sondern das mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Doch darf ein so hohes Gut wie unsere Gesundheit am schnöden Mammon gemessen werden? Wohin soll der permanente Sparzwang langfristig führen? Sind bald wirklich nur noch Reiche optimal versorgt?
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