Berufs-Kategorien

Die meisten Versicherungsgesellschaften teilen die Antragsteller in drei bzw. vier Berufsgruppen ein.

Berufsgruppe

Risiko

Beispiele

1

Gut

Ärzte, Architekten, Apotheker, Mathematiker, Steuerberater

2

Normal

Groß- und Einzelhandelskaufleute, Bankfachleute, Techniker, Verkäufer

3

Erhöht

Kranken- und Altenpfleger, Gastwirt, Kranführer

4

Hoch

Betonbauer, Künstler, Krankengymnasten, Maurer, Maschinenschlosser

Zuschläge mit System

Diejenigen, die einen Beruf mit erhöhtem Risiko ausüben, werden häufig zusätzlich systematisch Zuschläge verlangt. Meistens sind Bauarbeiter davon betroffen. Bei der Arag gibt es beispielsweise folgende Zuschläge auf den Normalbeitrag:

Außerdem bekommen die, die einen Zuschlag zu zahlen haben, einen Vertrag mit einer verkürzten Laufzeit, z. B. nur bis 55 Jahre. Wird der Versicherungsnehmer also danach erst berufsunfähig (was statistisch gesehen wahrscheinlicher ist), erhält er / sie gar keine Berufsunfähigkeitsrente.

Wer jung einsteigt, spart Geld!

Das Alter des Versicherten bei Vertragsbeginn wirkt sich stark auf den Beitrag seiner / ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung aus. Der Unterschied zwischen dem, was 30-jährige Versicherte im Vergleich zu 20-jährigen zahlen, ist viel kleiner als zwischen dem, was 40-jährige Versicherte im Vergleich zu 30-jährigen für einen gleichwertigen Schutz aufbringen müssen. Die Beiträge steigen also überproportional mit zunehmenden Eintrittsalter.

Ältere zahlen drauf

Für Neukunden wird es ab 30 aufwärts deutlich teurer.

Eintrittsalter / Laufzeit (Jahre)

Jahresbeitrag (Euro) Kfm. Angestellter Netto

Jahresbeitrag (Euro) Kfm. Angestellter Brutto

Frau

Mann

Frau

Mann

Risikolebens- plus Berufsunfähigkeitszusatzversicherung

20 / 45

579,00

644,00

800,00

922,00

30 / 35

651,00

696,00

998,00

1.098,00

40 / 25

916,00

964,00

1.415,00

1.536,00

Selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung

20 / 45

589,00

539,00

778,00

711,00

30 / 35

677,00

570,00

1.003,00

843,00

40 / 25

954,00

772,00

1.419,00

1.146,00

Rentenhöhe

Mit steigender Rentenvereinbarung flacht der Preisanstieg ab. So ist bei der Kombination eine um die Hälfte höhere Monatsrente nicht etwa um 50 % teurer. Der Grund ist offensichtlich: Im Beitrag spiegelt sich wieder, wenn nur die Berufsunfähigkeitsrente höher ist, aber nicht die Versicherungssumme der Risikolebensversicherung (die so genannte Todesfall-Leistung).

Des Weitern lässt sich sagen, dass je älter der Versicherungsnehmer bei Vertragsbeginn ist, desto mehr kostet ihn sein Berufsunfähigkeitsschutz. Überwiegend körperlich Tätige müssen mehr zahlen.

Was die Rente kostet

Beiträge für höhere Berufsunfähigkeitsrenten sind relativ günstig.

Modellfall (Eintrittsalter 30 Jahre, Laufzeit 35 Jahre)

Gesamtbeitrag (Euro) Kfm. Angestellter Netto

Gesamtbeitrag (Euro) Kfm. Angestellter Brutto

Frau

Mann

Frau

Mann

Risikolebens- plus Berufsunfähigkeitszusatzversicherung

BU-Rente = 1.000 €

651,00

696,00

998,00

1.098,00

BU-Rente = 1.500 €

914,00

935,00

1.393,00

1.436,00

Selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung

BU-Rente = 1.000 €

677,00

570,00

1.003,00

843,00

BU-Rente = 1.500 €

1.003,00

843,00

1.492,00

1.253,00

Keinen Sparvertrag anhängen!

Geld.de empfiehlt, bei der Berufsunfähigkeitsversicherung eine Einzelversicherungspolice bzw. eine Kombination mit einer Risikolebensversicherung zu wählen. Versicherer bieten gern Berufsunfähigkeitsschutz im Doppelpack mit Kapitallebensversicherungen, privaten Rentenversicherungen, Fondsvarianten oder Verträge mit Beitragsrückgewähr an. Allerdings sollten Vorsorge für Berufsunfähigkeit und Ansparungen getrennt sein. Denn besteht die Gefahr, dass der Versicherungsnehmer auf ausreichenden Berufsunfähigkeitsschutz zugunsten der Geldanlage verzichtet. Die hohen Beiträge der mit einem Sparvertrag kombinierten Berufsunfähigkeitsversicherung können die Versicherten finanziell stark belasten. Die beste Variante ist, wenn der Versicherte den Vertrag so abschließt, dass er aus seiner Berufsunfähigkeitsrente auch eine zusätzliche Altersvorsorge bezahlen könnte. Für den Ernstfall muss die Rente daher in ausreichender Höhe vereinbart werden.

Die Anfangsrente kann steigen!

Die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente hängt natürlich von den gewünschten Lebensumständen ab. Jeder will eine möglichst hohe Rente bekommen, aber leider ist die Finanzierung auch sehr teuer. Wenn die Versicherung bereits während der Ausbildung abgeschlossen wird, kann der Versicherte aber meist nicht so viel Geld für den Schutz aufbringen, dass es ihm auch als 45-jährigen Familienvater noch für die Sicherung seines Lebensstandards reichen würde. Aus diesem Grund sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung flexibel sein. Eine Versicherungspolice mit einer Nachversicherungsgarantie erfüllt dies. Sie ermöglicht es den Versicherungsnehmern, die Anfangsrente später zu erhöhen, wenn sich die Lebensumstände (z. B. bei Heirat, Geburt eines Kindes oder beim Hauskauf) ändern und zwar ohne erneute Gesundheitsprüfung.

Viele Gesellschaften bieten auch dynamische Verträge an. Bei diesen Verträgen steigt die Rente jedes Jahr an, aber auch der zu zahlende Beitrag. Der Beitrag kann schleichend sehr teuer werden, weil hier immer das neue Alter zählt. Die Option kann der Versicherte aber auch behalten, wenn er nur jede dritte Erhöhung mitmacht.

Bohrende Gesundheitsfragen

Der Interessent muss bei der Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung viele Gesundheitsfragen beantworten - auch zurückliegende Krankenhausaufenthalte, ambulante Behandlungen und Krankheiten sind hier relevant. Die Versicherungsgesellschaft möchte sich hierdurch ein genaues Bild von der körperlichen Verfassung des Antragsstellers machen, um Hinweise auf dessen individuelles Berufsunfähigkeitsrisiko zu finden.

Sie sollten das Antragsformular sehr sorgfältig ausfüllen. Kann der Versicherer dem Versicherten nachweisen, dass er gesundheitliche Probleme verschwiegen bzw. nicht vollständig angegeben hat, kann er vom Vertrag zurücktreten. Der Kunde verfügt dann über keinen Versicherungsschutz mehr. Deshalb ist es besser, wenn der Antragsteller von vornherein alles angibt, was ihm zu seiner Kondition einfällt und ggf. auch bei seinen Ärzten nachfragt. Die Gesundheitsfragen, die im Antrag gestellt werden, sollten sich höchstens auf Klinikaufenthalte der vergangenen 10 und auf Arztbesuche, Erkrankungen, Unfälle und Medikamenteneinnahmen der vergangenen 5 Jahre beziehen.

Ausschlüsse umgehen

Jede Versicherungsgesellschaft bewertet gesundheitlichen Störungen und Gesundheitsrisiken anders. Entweder muss der Antragssteller mit einer geringeren Vertragslaufzeit, einer begrenzten Rentenhöhe oder einem Ausschluss einer Krankheit vorlieb nehmen oder sein Antrag wird ganz abgelehnt. Die Nachversicherungsgarantie wird gleichzeitig gestrichen. Ein Beitragszuschlag ist oft das kleinere Übel. Fällt er nicht zu hoch aus, sollte der Antragsteller ihn akzeptieren, bevor er keinen Versicherungsschutz bekommt. Manchmal ist es möglich, dass der Versicherungsnehmer schriftlich vereinbaren kann, dass der Zuschlag im Laufe der Jahre sinkt, wenn die Krankheit, um die es dabei geht, nicht mehr auftritt. Antragsteller sollten sich auf Verträge, die einzelne Krankheiten ausschließen, nur dann einlassen, wenn sie auch bei anderen Gesellschaften keinen vollständigen Versicherungsschutz bekommen können.

Verkürzte Laufzeit

Viele Gesellschaften versichern nur Antragsteller bis 65 Jahre aus den Berufsgruppen 1 und 2. Hierzu gehören z. B. Architekten, Steuerberater, Apotheker und Bankkaufleute. Verträge die mit dem 60. bzw. 55. Lebensjahr enden, bekommen z. B. Kranführer, Gastwirte, Physiotherapeuten und Betonbauer. Dahingegen laufen Verträge bereits mit dem 50. Lebensjahr für Lehrer im öffentlichen Dienst in Europa aus.

Verlängerte Rentenzahlung

Die Versicherer erweitern bei solchen kurzen Verträgen meist wenigstens die Rentenzahlung über das frühe Vertragsende hinaus. Betroffene bekämen dann ihre Berufsunfähigkeitsrente zumindest bis zu einem bestimmten Alter weiter, wenn sie vor Laufzeitende berufsunfähig würden.

Wahl der Überschussbeteiligung

Die Gesellschaften erwirtschaften Überschüsse am Kapitalmarkt mit den Beiträgen ihrer Kunden. Ein Plus bleibt auch wenn die Verwaltungskosten geringer sind als zunächst kalkuliert oder weniger Kunden eines Unternehmens berufsunfähig werden als vorausberechnet. Die Überschüsse fließen an die Kunden zurück - je nach Versicherer aber auf unterschiedliche Weise. Die Beitragshöhe richtet sich u. a. auch danach, welche Form der Überschussbeteiligung dem Vertrag zugrunde liegt. Bei der Verwendung der Überschüsse gibt es 4 Varianten:

Verzinsliche Ansammlung und Schlussüberschuss:

Hier wird das Gesamtplus zum Vertragsende ausgeschüttet. Sinnvoller ist es aber, wenn dieses Geld während der Laufzeit des Vertrages verwendet wird, um die Beiträge niedrig zu halten.

Bonussystem:

Hier werden die Überschüsse angelegt und erhöhen die Rente im Ernstfall. Die Rentenhöhe hängt also auch davon ab, wie viel Überschüsse bis dahin entstehen. Wenn der Versicherte erst nach seinem 50. Lebensjahr berufsunfähig wird, fällt seine Rente höher aus als z. B. mit 40. Allerdings weiß niemand vorher ob und wann er berufsunfähig wird.

Beitragsverrechnung:

Diese Variante ist besser planbar und somit auch die am häufigsten genutzte. Hier werden dem Versicherten jedes Jahr die Überschüsse direkt für seinen Beitrag gutgeschrieben. Der Versicherungsnehmer weiß also genau, wie hoch seine Rente bei Berufsunfähigkeit wäre. Wenn der Versicherer richtig kalkuliert hat, bleibt der Beitrag über die gesamte Laufzeit hinweg relativ stabil.

Beharrlichkeit lohnt sich!

So gern Versicherer auch Kapitallebensversicherungen verkaufen, so ungern bieten sie allen potentiellen Kunden umfassenden Versicherungsschutz an. Meist sind nur Ausgewählten die zahlreichen sehr guten und guten Angebote für Berufsunfähigkeitsversicherungen zugänglich: die Interessenten müssen vor allem kerngesund sein, wenn sie eine Versicherungspolice nach Wunsch haben wollen.

Ursachen für Misserfolg

Die häufigsten gesundheitlichen Probleme, die einen Vertragsabschluss verhindern, sind Störungen des Bewegungsapparats. Dabei spielen frühere Sportverletzungen und Rückenbeschwerden eine Rolle. Chronisch Kranke wie z. B. Diabetiker haben von vornherein nur wenig Chancen auf einen Vertrag, auch wenn sie noch sehr jung sind.

Psychische Ursachen sind heutzutage nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern die häufigsten Gründe für das gesundheitlich bedingte vorzeitige Ausscheiden aus dem Beruf.