In diesen turbulenten Zeiten ist Gold an den Finanzmärkten wieder als Krisenwährung gefragt. Anleger mussten in den vergangenen Tagen in den Filialen eines Münchner Edelmetallhändlers bis zu eine halbe Stunde Schlange stehen, um sich mit Goldmünzen oder -barren einzudecken.
Doch die Krise am US-Hypothekenmarkt treibt nicht nur die Nachfrage der Privatanleger nach physischem Gold, sie ist auch ein Risiko für den Preis des Edelmetalls: Gold können große Investoren nämlich problemlos verkaufen, wenn sie kurzfristig Liquidität brauchen. Dadurch kann es zu Rückschlägen beim Goldpreis kommen. Am Donnerstag notierte Gold bei 664 $ je Feinunze (31,1 Gramm), nicht weit entfernt vom Jahreshöchststand bei 694,25 $, der im April erreicht wurde.
Grundsätzlich sehen Experten den Goldpreis gut unterstützt. Eine bedeutende Rolle kommt Indien zu, das für 20 Prozent der globalen Nachfrage aufkommt. Die Monate September und Oktober sind laut Studien traditionell die nachfragestärksten im Jahr. Doch dieses Jahr hat der Monsun verspätet angefangen. Das kann dazu führen, dass Juweliere bereits Gold gekauft haben und der positive Nachfrageeffekt geringer ausfällt als gewöhnlich. Es wird damit gerechnet, dass der Goldpreis in den nächsten Monaten die Marke von 715 $ testen wird.
Wichtig sind auch die Absicherungsgeschäfte der Minengesellschaften. Diese haben laut GFMS im zweiten Quartal Verkaufspositionen in Höhe von 161 Tonnen geschlossen, was den Goldpreis stabilisierte. Experten gehen davon aus, dass sich der Goldpreis in den kommenden sechs Monaten in engen Bahnen bewegt und sogar leicht sinken könnte.
Anlegern, die eine Krise des Finanzsystems fürchten, werden solche Überlegungen egal sein. Denn diese sehen Gold nicht als Spekulationsmedium, sondern als Hort der Sicherheit und als Versicherung für das Depot. Für Anleger, die auf kurzfristige Preistrends setzen wollen, sind Zertifikate besser geeignet. Bei Zertifikaten kann sich der Anleger auch eine Währungssicherung (Quanto) einkaufen. Das erscheint bei Gold durchaus sinnvoll, schließlich reagiert der Goldpreis verhältnismäßig sensibel auf den Dollar-Kurs. Auch bieten Zertifikate die Möglichkeit, von fallenden Kursen zu profitieren - für Anleger, die nicht an die große Krise glauben.
Allerdings: Bei einer Bankenkrise wie augenblicklich sind Zertifikate keine gute Wahl. Diese Papiere sind schließlich Inhaberschuldverschreibungen, deren Rückzahlung bei einer Schieflage der Bank gefährdet ist. Mehr Sicherheit versprechen börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die mit physischem Gold hinterlegt sind.
Service
Suchen Sie vielleicht?
Informationen