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16.06.2007 Restschuldversicherung – teuer und oft...

Restschuldversicherungen übernehmen die Raten, falls der Kreditnehmer die Rückzahlung nicht mehr leisten kann. Aber oft ist dieser Schutz überflüssig.

Eigentlich wollten Schneiders nur einen Kredit von 30000 Euro netto aufnehmen. Am Ende zahlten sie aber ca. 69000 Euro an die Bank zurück. Der Grund war eine Restschuldversicherung (RSV), die die Bank dem Ehepaar ans Herz legte. Bei Abschluss dieser zusätzlichen Police wurde ein Einmalbeitrag von rund 17300 Euro fällig. Folge: Auch Zinsen und Bearbeitungsgebühr stiegen proportional. „Ohne RSV hätten die Schneiders nur rund 37800 Euro zahlen müssen“, erläutert Arno Gottschalk, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale in Bremen, der das Paar befragte. Um schnell an zusätzliche Barmittel zu kommen, nutzen viele Deutsche Ratenkredite. Nach der aktuellen Statistik der Deutschen Bundesbank betrug der Bestand an Konsumentenkrediten Ende 2005 immerhin rund 234 Milliarden Euro (siehe unten).

Eine aktuelle Untersuchung des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) kam zu dem Ergebnis, dass den Kreditnehmern in den meisten Fällen zugleich der Abschluss einer RSV nahegelegt wird. Bei der RSV handelt es sich um eine spezielle Form der Risikolebensversicherung, die die Rückzahlung des Kredits im Todesfall, bei unfallbedingter Invalidität, Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit absichern soll.Tritt der Ernstfall ein, übernimmt die Versicherungsgesellschaft die Raten. Dieser Service ist jedoch nur im Einzelfall und bei hohen Raten sinnvoll und bringt ansonsten nur unnütze Ausgaben. vzbv-Chefin Edda Müller drückt es drastisch aus: „Die Kopplung von Ratenkredit und RSV ist eine Form des Kreditwuchers.“ Hintergrund: In den meisten Fällen wird die Versicherungsprämie als Einmalbetrag zusammen mit dem Abschluss des Kreditvertrages fällig und auf die abzutragende Kreditsumme addiert. In einigen der von der vzbv dokumentierten Fälle stieg der Effektivzins des Kredits dadurch um mehr als das Doppelte an. Verbraucherschützer Gottschalk beklagt zudem die Höhe der angebotenen Versicherungssummen. So hat er bereits erlebt, dass ein Bankkunde für einen Nettokredit von 41000 Euro eine RSV in Höhe von 19000 Euro abschließen sollte. In einem anderen Fall wurde für einen 11000-Euro-Kredit eine RSV von 5600 Euro verlangt. „Solche Summen stehen absolut in keinem Verhältnis zum Kreditwert“, schimpft Gottschalk. Die Absicherung gegen einen Zahlungsausfall wird damit völlig ins Gegenteil verkehrt. „Der Kunde hat durch den Abschluss plötzlich so hohe Kosten, dass seine Zahlungsfähigkeit erst recht bedroht ist.“ Kunden sollten in solchen Fällen beherzt auftreten. „Wenn die sonstigen Vergabebedingungen erfüllt sind, bekommt man den Kredit auch ohne RSV“ betont Christoph Blumenthal, Sprecher der Dresdner Bank. Dennoch weist das Institut seine Kunden ausdrücklich auf Risiken hin, gegen die man sich bei der Kreditaufnahme versichern sollte – etwa Arbeitslosigkeit. „Teil der Beratung ist aber auch, gemeinsam mit dem Kunden zu überlegen, ob die RSV in seinem Fall Sinn macht, und ob der Kunde so viel Sicherheit haben möchte“, versichert Blumenthal. Nach den Auswertungen des VZBV sieht die Praxis aber in manchen Bankfilialen anders aus. In 94 Prozent der untersuchten Fälle sei den Kunden die RSV als quasi automatischer Teil des Kreditvertrags verkauft worden. Dabei wurde einfach verschwiegen, dass der Abschluss keine Voraussetzung für den Kredit sei. „Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, vor der Aufnahme des Kredits Angebote und Beratungsservice verschiedener Institute zu vergleichen und immer wieder genau nachzufragen“, empfiehlt Gottschalk. Der Verbraucherschützer rät indes nicht grundsätzlich von einer Absicherung der Rückzahlungsfähigkeit ab, sondern macht die Entscheidung darüber vom Einzelfall abhängig. Dabei spielen Lebenssituation und persönliche Risikobereitschaft eine große Rolle. Doch für Sicherheit sorgt nicht nur die RSV. Im Gegenteil: „In der Regel ist es sinnvoller und günstiger, eine separate Police abzuschließen, als den Kredit mit einer RSV zu koppeln“, betont der Experte. So biete eine Risikolebensversicherung oft ausreichend Schutz für die Familie. Unabhängig davon sollte zudem jeder potenzielle Kreditnehmer prüfen, ob eventuell auch die Berufsunfähigkeitsversicherung im Ernstfall zur Ratentilgung ausreichen würde.

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