Mehr als 90 Prozent aller Aktienfonds werden faktisch nicht aktiv gemanagt. „Die meisten Fonds“, so erklärt Uwe Leonhardt, Chef des Vermögensverwalters „Gecam“, „sind in Wirklichkeit lediglich an einen Aktien-Index angelehnt. Das kann jeder Anleger selber machen.“ Der Mann muss es wissen. Sein Job ist es, für Dachfonds wie den „Gecam Adviser Fund – Global Balanced“ oder den „Gecam Adviser Fund – Global Value“ die richtigen Einzelfonds zu finden.
Volker Schilling, Chef der „Greiff Capital Management“, pflichtet ihm bei: „Das macht für die Branche durchaus Sinn. Denn für den Fondsmanager ist das eine bequeme Position: Geht es nämlich gut und der Index zieht an, schlägt sich der Fondsmanager an die Brust und triumphiert: Das haben wir doch gut gemacht. Geht es dagegen schief und der Fonds verliert, heißt es: Daran ist der Markt schuld.“
Doch die Qualität der einzelnen Fonds ist das eine Problem. Das andere ist die vielfach völlig unzureichende Risikobegrenzung in vielen Depots. Denn wer einen Aktienfonds kauft, muss sich zuerst darüber im Klaren sein, welches Risiko er eingehen und wie er dieses Risiko begrenzen will. Schilling: „Ich sage immer, an der Börse ist noch kein Anleger ums Leben gekommen, weil er bei einem Kursanstieg nicht dabei war. Umgekehrt haben Kurseinbrüche dazu geführt, dass ganze Existenzen ruiniert wurden.“
Für einen Laien ist es gar nicht so leicht, einen guten Fonds zu finden. Noch viel schwieriger ist es, das Anlagerisiko zu begrenzen. Hier zeigen gute Dachfonds, die vor allem von kleinen, unabhängigen Vermögensverwaltern gemanagt werden, ihre Stärke. Das wird vor dem Hintergrund des jüngsten Kurseinbruchs an den internationalen Aktienbörsen schnell klar. Volker Schilling etwa setzt dazu für die Fonds, die er gekauft hat, Stopp-Kurse. „Wir orientieren uns dabei an der durchschnittlichen Volatilität eines Fonds. Bricht der Fonds aus seinem Schwankungskanal nach unten aus, wird er verkauft.“
Olaf-Johannes Eick, Geschäftsführer des Schweizer Vermögensverwalters „Multi Invest“, der für Oppenheim Pramerica die beiden Dachfonds „Multi Invest OP“ und „Multi Invest Spezial OP“ verwaltet, geht einen anderen Weg. Er nutzt ein mathematisches Modell, das die Bewegungen von zirka 60 Aktienindizes analysiert und Einstiegs- und Ausstiegssignale herausfiltert.
Das Ergebnis ist überraschend: Im Mai vergangenen Jahres, als es an den internationalen Börsen steil bergab ging, verkaufte Eick zu Beginn des Einbruchs kurzerhand alle Aktienfonds, in die seine beiden Dachfonds investiert waren und schichtete das Fondsvermögen (Multi Invest OP: 309 Millionen Euro, Multi Invest Spezial OP: 142 Millionen Euro) in Geldmarktfonds um. Während der Markt weiter einbrach und der MSCI World Index weiter durchsackte, sicherte Eick den Anlegern auf diese Weise die bis dato erzielten Gewinne.
Anfang März wiederholte Eick diesen Coup noch einmal und stieg, als die Börsen einbrachen, wieder aus seinen Aktienfonds aus. Während die meisten Fonds diesen Einbruch voll mitnahmen und teilweise die Gewinne der letzten zwölf Monate abgaben, waren die beiden Dachfonds von Eick bereits im sicheren Hafen.
Was so ganz einfach und einleuchtend klingt, ist in Wahrheit die Königsdiziplin an der Börse. Das Timing für den Ein- und Ausstieg. Denn wer zu früh aussteigt, verpasst möglicherweise hohe Gewinne und muss teuer kaufen. Wer zu spät aussteigt, nimmt unter Umständen hohe Kursverluste mit.
Diesen Service gibt es nicht umsonst, Dachfonds haben ihren Preis. Der Anleger zahlt sowohl für die Fondsmanager der einzelnen Fonds, die in dem Dachfonds sind, als auch für den Dachfondsmanager. Unter dem Strich kommt man so auf mindestens 2,5 Prozent Verwaltungsgebühren.
„Das ist nur die halbe Wahrheit“, kontert Marco Schmitz, Chef von Oppenheim Pramerica. „Denken Sie daran, dass Anleger nur beim Kauf des Dachfonds einen Ausgabeaufschlag zahlen. Für die einzelnen Fonds, in die der Dachfonds investiert, wird dagegen kein gesonderter Ausgabeaufschlag berechnet. Die erhaltenen Provisionszahlungen der einzelnen Fondsgesellschaften werden bei uns dem Vermögen des Dachfonds gutgeschrieben.“ Das wirkt sich vor allem bei einer Umschichtung innerhalb des Dachfonds positiv für den Anleger aus.
Ab 2009 werden Kapitalerträge – egal ob Zinsen, Dividenden oder Kursgewinne – pauschal mit 25 Prozent besteuert. Heißt: Wer bislang einen Fonds in seinem Depot hatte, den er dann nach einem Jahr verkaufte, konnte den Gewinn steuerfrei kassieren. In Zukunft wird der Gewinn aus so einem Verkauf – egal wie lange der Fonds im Depot war – sofort mit einer 25-prozentigen Abgeltungssteuer belegt. Geld, das dann nicht in einen neuen Fonds angelegt werden kann. Eine deutliche Beschneidung des Zinseszinseffektes.
Mit einem Dachfonds kann man die Abgeltungssteuer aber umgehen, wenn der Fondsmanager innerhalb des Dachfonds einen Fonds umschichtet, weil der Markt das erforderlich macht. Erst wenn der Dachfonds Gewinne an den Anleger ausgeschüttet hat oder verkauft wird, fallen auf die dabei erzielten Gewinne Steuern an.
Werner Hedrich von der Rating-Agentur „Morningstar“: „Oft befüllen die großen deutschen Anbieter ihre Dachfonds mit konzerneigenen Produkten. Ob dies jedes Mal die beste Wahl ist, bleibt zu hinterfragen.“ Unter dem Strich dürften Anleger daher eher mit kleinen, von einem unabhängigen Vermögensverwalter geführten Dachfonds gut bedient sein.
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